Seit Mai 2005 unterstüzt der Afrikafreundeskreis e.V. erstmals ein Projekt in Äthiopien und weitet seine Bemühungen um unbürokratische
Entwicklungszusammenarbeit somit auf ein weiteres afrikanisches Projektland aus.
In Sirinka, einer ländlichen Region im zentralen äthiopischen Hochland, ca. 110 km nördlich von Dessie, wird notleidenden Familien und alleinstehenden
Müttern in Zusammenarbeit mit dem überkonfessionell arbeitenden
Projektpartner, der Äthiopischen Evangelischen Kirche (Ethiopian Evangelical Church Mekane Yesus), die Erwirtschaftungvon Einkommen über Gemüseanbau, Hühner- und Milchviehzucht ermöglicht. Der Verkauf der Waren erfolgt auf einem nahegelegenen Markt.
Der Auslöser für die Marginalisierung der äthiopischen Landbevölkerung, die hauptsächlich vom Kleinbauerntum lebt, liegt in hohen Geburtenraten, der Zerstörung der traditionellen Familienstrukturen durch Aids, Dürren und bis dato
nur unkoordinierten und deshalb unwirtschaftlichen Versuchen in Ackerbau und Viehzucht begründet.
In Selbsthilfegruppen und Gesprächskreisen tauschen die zu unterstützenden Personen Güter (Vergabe von Kleinkrediten untereinander, Weitergabe von gezüchteten Tieren, etc.) und Erfahrungen aus.
Aidsprävention und Familienplanung werden in diesen Gesprächskreisen ebenso thematisiert wie geschlechtsspezifische Themen wie etwa die Beschneidung der Frauen oder Zwangsheirat.
Mädchen, die aufgrund der bisherigen schlechten ökonomischen Situation der Familien oft zu Hause mitarbeiten mussten anstatt zur Schule zu gehen, wird durch die Bereitstellung der Unterrichtsmaterialien der Schulbesuch und der Zugang zu einem Mädchenclub ermöglicht, in dem sie sich ebenfalls untereinander austauschen können.
Dieses AFK-Projekt existiert seit 2005.

die zu unterstützenden Frauen beim Abstimmen

von links unsere Kooperationspartner Moges von Mekane Yesus,
Hendrik Smid vom AFK, Abi, einen weiteren Kooperationspartner
von Mekane Yesus und die zu unterstützenden Frauen
Projektinformation (Stand Februar 2006):
Einkommensgenerierende Maßnahmen:
a) Gemüseanbau:
Im Rahmen der von Juni 2005 bis Juni 2006 dauernde, einjährige Projektphase wurden 30 Frauen zur Einkommensgenerierung in Methoden des Gemüseanbaus unterwiesen und mit Anbaugeräten und Saatgut ausgestattet. Zudem erhielten sie Informationen zum Verzehr, der Konservierung und dem Verkauf der selbstangebauten Gemüsesorten.
Einige der geförderten Frauen haben nach der Einweisung bereits damit begonnen das ihnen zur Verfügung stehende Land für das Säen vorzubereiten.
b) Milchviehzucht:
10 Frauen wurden Färsen, geschlechtsreife weibliche Rinder vor dem ersten Kalben zur Sicherung ihrer Lebensgrundlage zur Verfügung gestellt. Bei der Anschaffung der Tiere wurde darauf verzich-tet wie ursprünglich angedacht zu verfahren. Statt einer widerstandsfähigeren besonderen Rasse, die in der Anschaffung teurer gewesen wäre den Vorzug zu geben, entschied man sich schließlich doch dafür, die Färsen der lokale Rasse zu erstehen und an die bedürftigen Frauen weiterzugeben. Somit konnte im Vergleich zum ursprünglichen Finanzplan für diesen Posten eingeplantes Geld gespart werden.
Zwei der Färsen haben auch bereits gekalbt, so dass den Familien nun selbst erwirtschaftete Milch für Verzehr und verkauf zur Verfügung stellen. Die Kälber sollen dann an andere zu unterstützende Frauen weitergegeben werden, um den Schneeballeffekt ausnützend mit kleinen Einsätzen eine gro-ße Wirkung zu erzielen. Statt eines abhängig machendes Almosengebens wird so ein sich selbst tragendes Hilfe-zur-Selbsthilfe-System kreiert. Die gegenseitige Unterstützung und Projektteilhabe funktioniert über die Bildung von Selbsthilfegruppen. Bis dato haben sich 90 Frauen in sechs Grup-pen organisiert. Die geförderten Frauen haben aus ihren Reihen sechs Vertreterinnen gewählt, die die Frauengruppen nach außen repräsentieren und deren Anliegen koordinieren.
c) Hühnerzucht:
Die ebenfalls im Plan vorgesehene, nach dem selben Prinzip ablaufende Hühnerzucht, für die 50 Frauen mit Hühnern und Hahnen ausgestattet werden sollten, konnte aufgrund des Auftretens von lokalen Hühnerkrankheiten und der Ende 2005 zum globalen Problem gewordenen Hühnergrippe nicht wie geplant realisiert werden.
Die Frauen, die von vornherein demokratisch in die Planung mit einbezogen worden waren, gene-rierten den Vorschlag statt der Hühner Schafe anzuschaffen. Die Schafe sollen nicht geweidet wer-den, sondern über angebaute Futterpflanzen versorgt werden. Die Projektpartner von Mekane Yesus machten den Vorschlag die entstehenden Mehrkosten im Rahmen der Anschaffung mit dem im Rahmen des Färsenkaufes gesparten Geldes auszugleichen. Diesbezüglich wurde allerdings noch keine Entscheidung getroffen.
Dennoch erscheint es uns wichtig nicht nach „Schema F“ vorzugehen, sondern flexibel auf eintre-tende Probleme zu reagieren und von den Verantwortlichen vor Ort geäußerte Bedenken, die eine Abweichung vom ursprünglichen Plan nötig machen, ernst zu nehmen.
Maßnahmen der Gesundheitsfürsorge:
Im Rahmen der Selbsthilfegruppen zur gegenseitigen Unterstützung und Projektteilhabe sind auch Gesprächskreise vorgesehen. Derzeit treffen sich die geförderten Frauen in zweiwöchentlichem Turnus zum kommunikativen Austausch über selbstgewählte Themen wie Aids-Prävention, Be-schneidung der Frauen, Zwangsheirat etc., so dass mit der Diskussion über geschlechtsspezifische Themen wichtige Aufklärungsarbeit geleistet werden kann. Den Frauenvertreterinnen steht dabei geschultes Personal unseres Projektpartners, Mekane Yesus, unterstützend und beratend zur Seite.
Bildungsmaßnahmen:
Im Rahmen einer weiteren Maßnahme wird Mädchen der Schulbesuch ermöglicht. Zum jetzigen Zeitpunkt konnten bereits 15 bedürftige Mädchen mit Schulmaterialien ausgestattet werden. Zusätz-lich wird der kommunikative Austausch zwischen den Mädchen ebenso gefördert wie die Ge-sprächskreise der Frauen. Dazu treffen sich derzeit 19 Mädchen regelmäßig im Rahmen von Mäd-chenclubs in Schulen. Dort kommen ebenfalls Themen wie Aidsprävention, aber auch Menschen- und Frauenrechte zur Sprache, die dazu beitragen sollen das Selbstbewusstsein der Mädchen zu stärken und ihnen einen besseren Start ins Leben zu ermöglichen.
projekt als ppt-präsentation (englisch)
galerie äthiopien-studienreise
Projektbericht April 2007:
Die Tatsache, dass Hendrik und Julia inzwischen in Dessie leben und arbeiten erleichtert die Projektarbeit insofern, als wir immer auf dem neuesten Stand sind und direkt Einfluss nehmen können. Ich stehe in ständigem E-Mailkontat mit den beiden und kann Folgendes in Bezug auf die Entwicklungen innerhalb der letzen Monate an Euch weitergeben:
Hintergrundinformationen:
Die Inflation schreitet weiter fort. Aufgrund der allgemeinen Güterverteuerung muss nun für die für das Projekt wichtigen „Güter“ inzwischen im Vergleich zu den Vorjahren fast das Doppelte bezahlt werden. So müssen für ein Schaf inzwischen statt 150 Birr, 300 Birr (d. i. 30 €) bezahlt werden. Die Heifers (geschlechtsreife Rinder vor dem ersten Kalben) schlagen mit 1500-2000 Birr statt vormals 1000 Birr zu Buche. Auch die Gemüsesaat ist nicht mehr so günstig zu haben. Besonders eklatant ist aber die Benzinpreisverteuerung.
...vollständiger Bericht als pdf



unterstützte Frauen
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