Die Infrastruktur der Squattergebiete ist nur sehr rudimentär ausgebildet. Es fehlen Transportwege und -mittel, Strom- und Wasserversorgung wie auch Bildungs- und medizinische Einrichtungen. Da keine Wasserleitungen errichtet sind und auch keine öffentlichen Brunnen oder
Eselkarren:
Wasserzapfstellen bestehen, müssen die in diesen Gebieten wohnenden Flüchtlinge das Wasser für den täglichen Bedarf von vorüberziehenden Händlern kaufen. Die Kosten für das Wasser sind hier überteuert und von vielen Familien kaum aufzubringen.
1993 entstand die Idee, jeweils einer Gruppe von besonders armen Familien einen Esel, einen Wagen sowie zwei Tonnen, in denen das Wasser transportiert werden kann, zu überlassen. Abwechselnd sind sie, bzw. oft ihre älteren Söhne, für den Verkauf des Wassers verantwortlich. In ihrer Nachbarschaft und an andere Flüchtlingsfamilien soll das Wasser preisgünstiger verkauft werden, an besser situierte Familien zum regulären Marktpreis.
Imbißstuben:
Für die südsudanesische Frauen in Khartoum ist der Weg zum Stadtzentrum, wo es vereinzelt Arbeitsplätze gäbe, zu weit und die Transportkosten dorthin unerschwinglich. Auch innerhalb der Squattergebiete ist es schwierig, Arbeit zu finden - wenn überhaupt, dann nur im informellen Sektor. Dennoch müssen die Mütter die Existenz ihres Haushaltes und damit das Überleben ihrer Kinder meist alleinverantwortlich sichern. Verschiedene Nichtregierungsorganisationen (NGO) wie das Sudan Council of Churches (SCC) haben daher kleine Projekte für Frauen ins Leben gerufen, die ihnen ein Einkommen ermöglichen.
Der Afrika Freundeskreis unterstützt dabei die Errichtung von Imbißstuben auf den lokalen Märkten verschiedener Squattergebiete Khartoums. Jeweils zwei Frauen arbeiten abwechselnd in einer Imbißstube. Sie verfügen über einen oder zwei traditionelle Herde, auf denen mit Kohle gekocht wird, über Töpfe, Geschirr, einige wenige Stühle und mindestens einen Serviertisch. Außerdem ist es dem SCC gelungen, den Frauen eine staatliche Berechtigungsbescheinigung für den Essensverkauf zu organisieren.
Kleinhandwerk:
In Khartoum einen gesicherten Arbeitsplatz zu erhalten bzw. überhaupt Geld zu verdienen, ist für südsudanesische Flüchtlingsfrauen fast unmöglich. Verfügen auch einige der Frauen über ausreichende berufliche Qualifikation, so werden die Arbeitsplätze dennoch vorwiegend an Männer oder an gleichqualifizierte nordsudanesische Frauen vergeben. Zudem zwingt die Situation (als mehr oder weniger alleinerziehende Mütter) die Frauen dazu, möglichst eine Tätigkeit im Beisein der Kinder auszuüben.
Kleinkunst und Kleinhandwerk wie das Flechten von Taschen oder das Besticken von Bettüchern wurde von vielen Frauen teilweise schon traditionell oder in Schulen im Südsudan erlernt. Seit 1993 unterstützt der Afrika Freundeskreis vor allem alleinstehende Frauen mit dem Kauf von notwendigen Utensilien für die Taschenherstellung und für das Sticken - eine Art Startkapital. Meist auf Bestellung von Nachbarn werden die Bettücher bestickt und dann an sie verkauft. Die Korbtaschen hingegen werden insbesondere an Damen aus der Mittel- und Oberschicht Khartoums oder bei organisierten Ausstellungen zu relativ hohen Preisen veräußert.
Diese Art von einkommenschaffender Tätigkeit wird gerne von den Frauen ausgeübt, deren Kinder noch zu jung sind, um alleine in den Hütten der Squattergebiete zu bleiben. Da die Mütter die Handarbeiten Zuhause anfertigen können, wird die Gefahr gelindert, daß ihre Kinder zu "Straßenkindern" werden. Frauen, die nicht eine Art von Kleinhandwerk beherrschen, wurde die Möglichkeit gegeben, an einem Kurs für Flechtarbeit und/oder Sticken teilzunehmen.
Nähmaschinenprojekt:
Das Nähmaschinenprojekt, das der Afrika Freundeskreis in Khartoum gemeinsam mit dem Sudan Council of Churches (SCC) unterstützt, bezieht sich insbesondere auf Einzelschicksale. Dabei werden die Lebensgeschichten und die jeweils momentane Situation von besonders armen Familien berücksichtigt.
Frauen, die ganz ohne familiärem Umfeld alleine mit ihren Kindern in Khartoums Squattergebieten leben und bestimmte Voraussetzungen erfüllen, können in das Projekt aufgenommen werden.
Hierbei handelt es sich um Frauen, die für den Lebensunterhalt ihrer Familien alleine aufkommen müssen und die Schneidern und Nähen entweder schon in ihrem Heimatgebiet oder in einem Kurs in Khartoum erlernt haben. Ihnen wird eine mechanische Nähmaschine zur Verfügung gestellt, mit der sie in ihren Hütten im Squattergebiet auf Bestellung Kleidung o.ä. anfertigen können. Der Verdienst gilt als ihr Einkommen, wobei bei einem regelmäßigen Gewinn eine bestimmte prozentual abgestufte Geldsumme an das SCC übergeben werden muß, um die Nähmaschine in Raten abzuzahlen.
Das Nähmaschinenprojekt wurde 1994 insofern ausgeweitet, daß diese Frauen von uns den Auftrag erhielten, fünfhundert Schuluniformen zu nähen. Diese sollte der Afrika Freundeskreis gemeinsam mit dem SCC den Frauen abkaufen. Besonders arme Kinder sollten dadurch eine Schulkleidung erhalten. Das Schulgeld für diese Kinder sollte anschließend von anderen Partnern des SCC bereitgestellt werden.
Teeprojekt:
Tee stellt im Sudan eine Art Grundnahrungsmittel dar und wird sowohl auf den lokalen Märkten in der Stadt, in den Squattergebieten und in den Dörfern als auch am Straßenrand von Frauen verkauft. Der Absatzmarkt ist extrem hoch. Seit 1994 existiert ein sogenanntes Teeverkaufsprojekt des Afrika Freundeskreises. Im Rahmen des Projektes werden insbesondere diejenigen Frauen unterstützt, die überwiegend alleine Verantwortung tragen, das Überleben ihrer Familien zu sichern.
Hierbei handelt es sich um Flüchtlingsfrauen, die ihre Heimat aufgrund von Krieg oder Dürren verlassen mußten und deren Männer getrennt von ihnen im Heimatgebiet leben oder schon gestorben sind.
Zur Unterstützung einer "Teefrau" ist etwa ein Geldbetrag von 60,- € notwendig. Damit können die Kosten für eine Erstausstattung für den Teeverkauf beglichen werden, wie ein traditioneller Ofen, Holzkohle, Teekessel, Gläser, Löffel, Sieb, Tee, Zucker, Wasser, Milch und eine Verkaufsgenehmigung. Mit Hilfe unsere Partnerorganisation im Sudan, dem SCC, ist es möglich geworden, die jährlich zu erneuernde offizielle Erlaubnis für den Teeverkauf für die Frauen zu organisieren, so daß ihre Arbeit legal ist.
Die Frauen wählen sich zumeist jeweils einen Verkaufsstandort innerhalb ihres Squattergebietes aus, so daß sie einerseits keine Kosten für Transport aufbringen müssen und andererseits nicht weit von ihren Kindern entfernt arbeiten müssen. Der Gewinn aus dem Teeverkauf steht den Frauen zur Verfügung. Damit können sie die ständig anfallenden Kosten für den Teeverkauf wie Wasser, Tee, Zucker und Milch begleichen und verfügen über ein Einkommen für ihre Familie.
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